Lebenslauf für Richterinnen und Richter: Beispiel und Anleitung für die Bewerbung

Ein Lebenslauf als Richterin oder Richter ist Teil einer Bewerbung in den Justizdienst oder um ein Beförderungsamt. Er muss die Befähigung zum Richteramt mit den Noten beider Staatsexamina zeigen, die Gerichte und Rechtsgebiete, in denen Sie gearbeitet haben, Zahlen zu Dezernat und Erledigungen, Ihre schriftliche Arbeit und Ihr Engagement in Ausbildung, Prüfung und Gerichtsverwaltung. Unten finden Sie ein vollständiges Muster, dann Profiltexte, Stichpunkte und Formatregeln.

Von cvplex Careers Team· Geprüft von József Dorcsinecz, Gründer· Aktualisiert am

Lebenslauf-Muster für Richterinnen und Richter (Bewerbung um ein Beförderungsamt)

Niemand wird allein mit einem Lebenslauf Richterin oder Richter. Der Lebenslauf liegt in einer Mappe: Anschreiben, Zeugnisse beider Staatsexamina, bei der Ersteinstellung die Stationszeugnisse des Referendariats und Arbeitszeugnisse; bei einer Beförderung zieht die Justizverwaltung zusätzlich die dienstliche Beurteilung und die Personalakte heran. Der Lebenslauf wird zuerst gelesen, und an ihm wird alles andere gemessen. Er muss deshalb auf den Monat genau stimmen.

Das Muster zeigt einen Richter mit drei Jahren Anwaltstätigkeit, drei Jahren als Richter auf Probe und neun Jahren an einem Landgericht, der sich um die Stelle eines Vorsitzenden Richters am Landgericht bewirbt. Person und Kanzlei sind erfunden, die Gerichte nur beschreibend benannt.

Markus Ellinger

Richter am Landgericht · Zivilkammer · Güterichter

Dortmund · 0231 555 0121 · markus.ellinger@beispiel.de · Zeugnisse in der Anlage

Profil

Richter mit knapp 15 Jahren Berufserfahrung als Volljurist: 3 Jahre als Rechtsanwalt im Zivil- und Strafrecht, seit 2014 im Justizdienst des Landes Nordrhein-Westfalen, seit 2017 auf Lebenszeit. Führt als Einzelrichter und Berichterstatter einer allgemeinen Zivilkammer ein Dezernat mit rund 150 anhängigen Verfahren und im Schnitt 170 Erledigungen im Jahr, knapp die Hälfte durch Vergleich. Erprobung am Oberlandesgericht 2023, Güterichter seit 2020. Bewerbung um die Stelle eines Vorsitzenden Richters am Landgericht.

Berufserfahrung

Richter am Landgericht, allgemeine Zivilkammer; Güterichter · Landgericht in Nordrhein-Westfalen

09/2017 – heute

  • Einzelrichter- und Berichterstatterdezernat mit rund 150 anhängigen Verfahren und im Schnitt 170 Erledigungen im Jahr (Vertrags-, Bank-, Verkehrsunfall- und Arzthaftungssachen), dazu ein Sitzungstag der Kammer pro Woche.
  • Urteile in aller Regel im ersten Verkündungstermin; Bestand an Verfahren, die älter als zwei Jahre sind, im eigenen Dezernat von 19 auf 4 gesenkt.
  • Beweisaufnahmen mit Zeugen und Sachverständigen in rund 60 Sitzungen im Jahr; seit 2021 Berufung gegen 23 Urteile, davon 19 bestätigt oder durch Rücknahme der Berufung erledigt.
  • Güterichter seit 2020: 45 Güterichterverfahren aus anderen Kammern und Amtsgerichten des Bezirks durchgeführt, 31 davon durch Vergleich beendet.
  • Rund 90 Stunden Fortbildung seit 2017, darunter Tagungen der Deutschen Richterakademie und Kurse der Landesjustizakademie zu Verhandlungsführung und Arzthaftungsrecht.

Richter auf Probe · Amtsgericht und Staatsanwaltschaft in Nordrhein-Westfalen

09/2014 – 08/2017

  • Zivilabteilung am Amtsgericht (18 Monate): Dezernat mit rund 450 anhängigen Verfahren, überwiegend Miet-, Kauf- und Verkehrsunfallsachen; in mehr als der Hälfte der Verfahren mindestens eine Partei ohne Anwalt, Hinweise nach § 139 ZPO im Protokoll festgehalten.
  • Strafrichter am Amtsgericht (12 Monate): rund 250 Hauptverhandlungen, Strafbefehlsverfahren sowie Haft- und Durchsuchungssachen im Bereitschaftsdienst.
  • Staatsanwaltschaft, allgemeine Abteilung (6 Monate): rund 600 Ermittlungsverfahren abgeschlossen und die Anklage in 80 Hauptverhandlungen vertreten.
  • Leitung einer Arbeitsgemeinschaft für Rechtsreferendarinnen und Rechtsreferendare im Zivilrecht in zwei Durchgängen.

Rechtsanwalt · Kanzlei für Zivil- und Strafrecht (6 Berufsträger), Bochum

10/2011 – 08/2014

  • Bearbeitung von 60 bis 80 laufenden Mandaten im Vertrags-, Miet- und Verkehrsrecht sowie in der Strafverteidigung.
  • Vertretung in rund 150 Verhandlungen vor Amts- und Landgerichten, davon 12 Hauptverhandlungen als Pflichtverteidiger.
  • 6 Berufungsverfahren vor dem Landgericht und dem Oberlandesgericht geführt; zwei der Entscheidungen wurden veröffentlicht.
  • Rund 100 Beratungen im Jahr im Rahmen der Beratungshilfe, überwiegend in Miet- und Sozialleistungsfragen.

Ausbildung

Zweite Juristische Staatsprüfung, „vollbefriedigend“ (10,4 Punkte); Referendariat im Bezirk des Oberlandesgerichts Hamm
Landesjustizprüfungsamt Nordrhein-Westfalen, 2011

Erste Juristische Prüfung, „vollbefriedigend“; Schwerpunktbereich Zivilverfahrensrecht, studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht
Universität Münster, 2009

Zertifikate

  • Zulassung zur Rechtsanwaltschaft, Rechtsanwaltskammer Hamm, 2011 bis 2014 (mit Eintritt in den Justizdienst zurückgegeben)
  • Ernennung zum Richter auf Lebenszeit, 09/2017
  • Erprobungsabordnung an ein Oberlandesgericht (Zivilsenat, 9 Monate), 2023
  • Fortbildung zum Güterichter (Mediation und Konfliktmoderation), 2020
  • Tagungen der Deutschen Richterakademie, 2019 und 2024

Kenntnisse

Sitzungsleitung und VerhandlungsführungBeweisaufnahme und BeweiswürdigungUrteile, Beschlüsse und VotenGüteverhandlung und GüterichterverfahrenDezernatsführung und TerminplanungZPO, BGB, HGB; Arzthaftungs- und BankrechtStPO und StGB aus Strafabteilung und StaatsanwaltschaftVerfahren mit Parteien ohne AnwaltAusschließung und Befangenheit, richterliche EthikElektronische Akte, VideoverhandlungRecherche: juris, beck-onlineEnglisch fließend
Fiktives Beispiel. Namen, Arbeitgeber und Zahlen sind frei erfunden.Dieses Beispiel im Editor verwenden →

Wie Richterinnen und Richter ausgewählt werden und was das für den Lebenslauf bedeutet

In Deutschland werden Richterinnen und Richter nicht vom Volk gewählt wie in vielen US-Bundesstaaten, sondern ernannt. Welcher Weg für Sie gilt, bestimmt, was Ihr Lebenslauf leisten muss.

  • Einstellung in den Landesdienst: Richterinnen und Richter der Amts-, Land- und Oberlandesgerichte stellt die Landesjustizverwaltung ein. Voraussetzung ist die Befähigung zum Richteramt, also beide Staatsexamina; in der Praxis erwarten die Länder überdurchschnittliche Noten, meist ein Prädikatsexamen. Nach Sichtung der Unterlagen folgt ein Auswahlgespräch, in manchen Ländern ein Assessment-Center. Der Lebenslauf ist eine Anlage neben den Zeugnissen.
  • Probezeit und Lebenszeit: Die Einstellung erfolgt als Richterin oder Richter auf Probe, mit Einsätzen an verschiedenen Gerichten und in vielen Ländern auch bei der Staatsanwaltschaft. Frühestens nach drei, spätestens nach fünf Jahren wird über die Ernennung auf Lebenszeit entschieden. Berufserfahrung, etwa als Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt, kann die Probezeit verkürzen.
  • Beförderungsämter: Vorsitzende Richterin oder Vorsitzender Richter am Landgericht, Richterin oder Richter am Oberlandesgericht, Direktorin oder Direktor des Amtsgerichts. Sie bewerben sich auf eine ausgeschriebene Stelle, und ausgewählt wird nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung (Art. 33 Abs. 2 GG), vor allem auf Grundlage der dienstlichen Beurteilung. In vielen Ländern ist eine erfolgreiche Erprobung am Oberlandesgericht Voraussetzung, und die Richtervertretung, meist der Präsidialrat, wirkt mit.
  • Bundesgerichte und Richterwahlausschüsse: Die Richterinnen und Richter am Bundesgerichtshof und an den anderen obersten Bundesgerichten beruft das zuständige Bundesministerium gemeinsam mit dem Richterwahlausschuss. Auch einige Länder haben Richterwahlausschüsse, die bei Einstellung oder Beförderung mitentscheiden. Diese Gremien lesen den Lebenslauf besonders genau.
  • Fachgerichtsbarkeiten: Verwaltungs-, Sozial-, Arbeits- und Finanzgerichte haben eigene Einstellungsverfahren, teils mit Erwartungen an Vorerfahrung im jeweiligen Rechtsgebiet. Die Anforderungen stehen in der Ausschreibung; lesen Sie sie, bevor Sie etwas schreiben. Ehrenamtliche Richterinnen und Richter wie Schöffen brauchen kein Jurastudium, werden aber über eigene Vorschlags- und Wahlverfahren bestimmt, nicht über eine Bewerbung mit Lebenslauf.
Alles in einer Bewerbung für die Justiz wird geprüft. Examensnoten, Zeugnisse, Daten, Zulassungszeiten und Ihre Angaben zu Dezernat und Erledigungen lassen sich mit Personalakte und Geschäftsstatistik abgleichen, und Widersprüche zwischen Lebenslauf und Unterlagen kosten schnell die Stelle. Zählen Sie Ihre Verfahren, bevor Sie eine Zahl nennen.

Worauf Justizverwaltung und Auswahlgremien achten

  • Examensnoten und Befähigung zum Richteramt. Die Noten sind bei der Ersteinstellung die erste Hürde. Nennen Sie beide Staatsexamina mit Notenstufe und Punktzahl weit oben, nicht versteckt am Ende.
  • Breite der Erfahrung. Für eine Stelle mit gemischtem Dezernat oder ein Beförderungsamt zählt, ob Sie Zivil- und Strafsachen, Einzelrichter- und Kammertätigkeit, Amts- und Landgericht kennen. Ist Ihr Werdegang schmal, zeigen Sie angrenzende Arbeit: Staatsanwaltschaft, Abordnungen an ein Ministerium oder ein Obergericht, Güterichtertätigkeit, Schiedsverfahren aus der Anwaltszeit.
  • Umfang und Erledigung. Größe des Dezernats, Erledigungen im Jahr, Vergleichsquote, Bestand alter Verfahren, Verfahrensdauer. Das kommt Produktionszahlen in diesem Beruf am nächsten, und nur wenige nennen sie.
  • Schriftliche Arbeit. Richterinnen und Richter schreiben. Veröffentlichte Entscheidungen, Aufsätze, Urteilsanmerkungen, Kommentierungen und Lehrmaterial zählen, und im Auswahlgespräch wird danach gefragt.
  • Engagement über das Dezernat hinaus. Ausbildung von Referendarinnen und Referendaren, Leitung von Arbeitsgemeinschaften, Prüfertätigkeit im Justizprüfungsamt, Mitarbeit im Präsidium oder in der Richtervertretung, Aufgaben in der Gerichtsverwaltung wie Pressesprecherin oder Pressesprecher. Das fließt in die Beurteilung ein, wird aber im Lebenslauf regelmäßig vergessen.
  • Ein einwandfreier Werdegang. Straf- und Disziplinarverfahren, Nebentätigkeiten und die Verfassungstreue werden im Verfahren abgefragt. Verschweigen Sie im Lebenslauf nichts, was die Unterlagen später zeigen.

“Die Bewerbungen, die oben auf dem Stapel landen, liefern Zahlen und Einzelheiten: Zahl der Verfahren, Urteile nach streitiger Verhandlung, Dauer bis zur Entscheidung, das Engagement neben dem Beruf. Die, die unten landen, beschreiben ihre Tätigkeit mit Adjektiven und überlassen es dem Gremium, den Umfang zu erraten.”

Recruiter-Panel, Personalverantwortliche für Juristinnen und Juristen, USA (Name wird nach Prüfung veröffentlicht)

Profiltexte für den Lebenslauf in der Justiz

Vier Zeilen oben: Berufsjahre als Volljuristin oder Volljurist, Gerichte und Rechtsgebiete, der Umfang und die Stelle, um die Sie sich bewerben. Bleiben Sie sachlich. Ein persönliches Leitbild gehört nicht hierher.

Richterin am Landgericht, Bewerbung an das Oberlandesgericht
Richterin am Landgericht seit 2016, Berichterstatterin in einer Zivilkammer für Bau- und Architektensachen mit rund 120 anhängigen Verfahren. 38 Beweisaufnahmen mit Sachverständigen im Jahr, 14 veröffentlichte Entscheidungen, Bestand älterer Verfahren halbiert. Erprobung am Oberlandesgericht 2024 abgeschlossen. Bewerbung um die Stelle einer Richterin am Oberlandesgericht.
Rechtsanwalt, Bewerbung für den Justizdienst
Volljurist mit beiden Examina „vollbefriedigend“ und 7 Jahren als Rechtsanwalt in einer mittelständischen Wirtschaftskanzlei: Prozessführung in Handels- und Gesellschaftsstreitigkeiten, über 120 mündliche Verhandlungen vor Land- und Oberlandesgerichten, 9 Schiedsverfahren. Leitet eine Arbeitsgemeinschaft für Rechtsreferendarinnen und Rechtsreferendare. Bewerbung als Richter auf Probe in der ordentlichen Gerichtsbarkeit.
Richter am Sozialgericht
Richter am Sozialgericht seit 2017, Vorsitz in Kammern für Schwerbehindertenrecht, Erwerbsminderungsrenten und gesetzliche Unfallversicherung, rund 300 Erledigungen im Jahr, davon ein Drittel durch Urteil oder Gerichtsbescheid. Zuvor 5 Jahre als Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Sozialrecht. Fortbildungen zu sozialmedizinischer Begutachtung an der Deutschen Richterakademie.
Richterin am Amtsgericht, Familiengericht
Richterin am Amtsgericht mit 6 Jahren im Familiengericht: Kindschafts-, Unterhalts- und Gewaltschutzsachen, 15 bis 25 Anhörungen pro Woche und einstweilige Anordnungen in Eilfällen noch am Tag des Eingangs. Belegbare Kenntnisse in Kindschaftsrecht, Entwicklungspsychologie und Gesprächsführung mit Kindern. Dreizehn Jahre Berufserfahrung als Volljuristin, davon vier als Fachanwältin für Familienrecht.
Richter im Ruhestand, Wechsel in Schiedsgerichtsbarkeit und Mediation
Vorsitzender Richter am Landgericht a. D. mit 22 Jahren in Zivil-, Straf- und Handelssachen, davon 12 als Vorsitzender einer Zivilkammer. Über 200 Beweisaufnahmen geleitet und als Güterichter rund 70 % der übernommenen Verfahren durch Vergleich beendet. Jetzt tätig als Schiedsrichter, Mediator und Schlichter in Bau- und Handelssachen.

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Meinen Lebenslauf als Richter/in erstellen

Stichpunkte im Lebenslauf für die Justiz: schwach und stark

Juristische Lebensläufe beschreiben oft das Amt statt der Person. Acht Zeilen, umgeschrieben mit Angaben, die ein Auswahlgremium prüfen kann.

Schwach (Beschreibung des Amts)Stark (Umfang, Ergebnis, schriftliche Arbeit)
Bearbeitung verschiedener Zivilsachen.Einzelrichter- und Berichterstatterdezernat mit rund 150 anhängigen Verfahren und im Schnitt 170 Erledigungen im Jahr in Vertrags-, Bank-, Verkehrsunfall- und Arzthaftungssachen.
Abfassung von Urteilen und Beschlüssen.Urteile in aller Regel im ersten Verkündungstermin; Bestand an Verfahren über zwei Jahre im eigenen Dezernat von 19 auf 4 gesenkt.
Tätigkeit in einer Strafabteilung.Als Strafrichter am Amtsgericht rund 250 Hauptverhandlungen in 12 Monaten geführt, dazu Haft- und Durchsuchungssachen im Bereitschaftsdienst.
Erfahrung in der Prozessführung.Als Rechtsanwalt 60 bis 80 laufende Mandate im Vertrags-, Miet- und Verkehrsrecht betreut und rund 150 Verhandlungen vor Amts- und Landgerichten wahrgenommen.
Führung von Berufungsverfahren.6 Berufungsverfahren vor dem Landgericht und dem Oberlandesgericht geführt; zwei der Entscheidungen wurden veröffentlicht.
Verhandlungen mit Parteien ohne Anwalt.Zivildezernat am Amtsgericht, in dem in mehr als der Hälfte der Verfahren eine Partei ohne Anwalt auftrat; Hinweise nach § 139 ZPO im Protokoll festgehalten, ohne Rechtsberatung zu leisten.
Engagement in der Referendarausbildung.Arbeitsgemeinschaft für Rechtsreferendarinnen und Rechtsreferendare im Zivilrecht in zwei Durchgängen geleitet, dazu Einzelausbildung von 6 Referendarinnen und Referendaren in der Zivilstation.
Teilnahme an Fortbildungen.Rund 90 Stunden Fortbildung seit 2017, darunter Tagungen der Deutschen Richterakademie und die Fortbildung zum Güterichter; seit 2020 45 Güterichterverfahren durchgeführt.

Kenntnisse und Rechtsgebiete im Lebenslauf

Ein Lebenslauf für die Justiz braucht keinen Block mit Soft Skills. Er braucht eine genaue Angabe, welches Recht Sie beherrschen und welche Arbeit im Sitzungssaal Sie leisten können.

  • Richterliche Tätigkeit: Dezernatsführung und Terminierung, Sitzungsleitung und Sitzungspolizei, Beweisaufnahme und Beweiswürdigung, Hinweise nach § 139 ZPO, Urteile und Beschlüsse, Strafzumessung, Haftsachen, Ordnungsmittel, Güteverhandlung und Güterichterverfahren, Ausschließung und Befangenheit.
  • Rechtsgebiete, ehrlich angegeben: Zivil-, Straf-, Familien-, Betreuungs-, Nachlass-, Miet-, Handels-, Insolvenz-, Arbeits-, Sozial- und Verwaltungsrecht. Nennen Sie die Gebiete, in denen Sie ein Dezernat geführt haben, nicht die, über die Sie einmal gelesen haben.
  • Schreiben und Recherche: Urteile, Beschlüsse, Voten für Kammer oder Senat, juris und beck-online, Lehrmaterial für Arbeitsgemeinschaften, Aufsätze und Urteilsanmerkungen in Fachzeitschriften.
  • Praktisches: elektronische Akte und elektronischer Rechtsverkehr, Verhandlungen per Videokonferenz, Arbeit mit Dolmetscherinnen und Dolmetschern, Sicherheitsabläufe im Gericht und jede Fremdsprache, in der Sie Unterlagen ohne Übersetzung lesen können.

Examina, Stationen, Fortbildung und Engagement richtig angeben

  • Die Examina stehen unter Ausbildung mit Notenstufe, Punktzahl, Prüfungsamt und Jahr, etwa „Zweite Juristische Staatsprüfung, vollbefriedigend (10,4 Punkte), Landesjustizprüfungsamt Nordrhein-Westfalen, 2011“. Eine frühere Anwaltszulassung nennen Sie mit Rechtsanwaltskammer und Zeitraum und dem Hinweis, dass sie mit Eintritt in den Justizdienst zurückgegeben wurde.
  • Abordnungen gehören zu den stärksten Zeilen in einem Lebenslauf der Justiz, etwa als wissenschaftliche Mitarbeiterin oder wissenschaftlicher Mitarbeiter an ein Bundesgericht oder das Bundesverfassungsgericht, an ein Ministerium oder zur Erprobung an ein Oberlandesgericht. Schreiben Sie Gericht oder Behörde, Senat oder Referat und Zeitraum aus.
  • Angaben zum Studium bleiben in der Justiz länger relevant als in fast jedem anderen Beruf: Schwerpunktbereich, Promotion, LL.M., Seminararbeiten und Tätigkeit am Lehrstuhl lohnen sich auch fünfzehn Jahre später noch.
  • Richterliche Fortbildung gehört auf die Seite, wenn Sie sie haben: Tagungen der Deutschen Richterakademie, Angebote der Justizakademie Ihres Landes und Fortbildungen wie die zum Güterichter. Für Familienrichterinnen und Familienrichter verlangt das Gesetz belegbare Zusatzkenntnisse; nennen Sie die Nachweise ausdrücklich.
  • Engagement in Ausbildung und Verwaltung fließt in die Beurteilung ein. Nennen Sie Arbeitsgemeinschaften, Einzelausbildung von Referendarinnen und Referendaren, Prüfertätigkeit im Justizprüfungsamt, Mitgliedschaft im Präsidium oder in der Richtervertretung, Aufgaben als Pressesprecherin oder Pressesprecher und Lehraufträge.
  • Veröffentlichungen und Vorträge bekommen eine eigene kurze Liste oder bei vielen Titeln eine Anlage. Achten Sie darauf, dass Vortrags- und Lehrtätigkeiten als Nebentätigkeit angezeigt oder genehmigt sind, wie es Ihr Land verlangt.
Führen Sie schon jetzt eine Liste besonderer Verfahren, auch wenn eine Bewerbung noch Jahre entfernt ist: Aktenzeichen, Gericht, Gegenstand, Ergebnis und Ihre Rolle. Für Anlassbeurteilung und Auswahlgespräch werden Sie nach genau solchen Verfahren gefragt, und sie nach zehn Jahren aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren, ist der mühsamste Teil jeder Bewerbung.

Aufbau und Länge des Lebenslaufs für die Justiz

  • Zwei Seiten, bei langem Werdegang mit Abordnungen und Veröffentlichungen höchstens drei, dazu ein Verzeichnis der Veröffentlichungen als Anlage. Füllen Sie nichts auf, kürzen Sie aber auch keinen echten Werdegang auf eine Seite.
  • Die Hinweise in der Ausschreibung gehen allem anderen vor. Verlangt die Justizverwaltung ein Bewerbungsportal, ein Formular oder bestimmte Unterlagen, gilt das vor jedem allgemeinen Ratschlag.
  • Lückenlos und mit Monat und Jahr bei allen Daten, auch für Elternzeit, Promotion oder Auslandsaufenthalte. Lücken werden im Gespräch angesprochen, erklären Sie sie also.
  • Zurückhaltende Gestaltung: Serifenschrift oder schlichte Groteskschrift, schwarzer Text, viel Weißraum. Keine Farbflächen, keine Icons, keine Spalten.
  • Foto, Geburtsdatum und Familienstand sind in Deutschland üblich, aber freiwillig. Eine Schwerbehinderung oder Gleichstellung können Sie angeben; öffentliche Arbeitgeber berücksichtigen sie im Auswahlverfahren.
  • Legen Sie die Zeugnisse beider Staatsexamina bei, bei der Ersteinstellung auch Stationszeugnisse des Referendariats und Arbeitszeugnisse. Bei Beförderungen zieht die Justizverwaltung die dienstliche Beurteilung selbst heran; Sie müssen sie nicht beifügen.
  • Speichern Sie als PDF und benennen Sie die Datei mit Nachnamen und Stelle, weil die Personalreferate viele Bewerbungen gleichzeitig bearbeiten.

Häufige Fragen

Wie schreibe ich einen Lebenslauf für den Richterdienst?

Behandeln Sie ihn als eine Anlage Ihrer Bewerbung. Setzen Sie die Befähigung zum Richteramt mit den Noten beider Staatsexamina nach oben, dann Ihre bisherigen Stationen mit echten Zahlen: Größe des Dezernats, Erledigungen, Verhandlungen, Verfahrensdauer. Ergänzen Sie Veröffentlichungen, Ausbildungs- und Prüfertätigkeit und Fortbildungen. Zwei, höchstens drei Seiten, und jede Angabe muss mit Ihren Zeugnissen und der Personalakte übereinstimmen.

Welche Voraussetzungen braucht man, um Richterin oder Richter zu werden?

Die Befähigung zum Richteramt, also das Erste und das Zweite Juristische Staatsexamen, die deutsche Staatsangehörigkeit und die Gewähr, jederzeit für die freiheitliche demokratische Grundordnung einzutreten. In der Praxis verlangen die Länder überdurchschnittliche Examensnoten, meist ein Prädikatsexamen. Die genauen Anforderungen veröffentlicht die Justizverwaltung des jeweiligen Landes; lesen Sie sie vor der Bewerbung.

Was gehört in den Lebenslauf für die Verwaltungs- oder Sozialgerichtsbarkeit?

Berufsjahre als Volljuristin oder Volljurist, die Rechtsgebiete (etwa Schwerbehindertenrecht, Rente, Unfallversicherung, Ausländer- oder Baurecht) und Ihre Vorerfahrung darin, aus Anwaltschaft, Verwaltung oder Rechtsabteilung. Wenn Sie schon richterlich tätig sind: Erledigungen im Jahr, Verfahrensdauer und Art der Erledigung. Folgen Sie der Ausschreibung genau, denn Fachgerichte gewichten Vorerfahrung oft stärker als die ordentliche Gerichtsbarkeit.

Wie gebe ich Amtsbezeichnungen im Lebenslauf richtig an?

Verwenden Sie die amtliche Bezeichnung mit dem Gericht: „Richterin am Amtsgericht“, „Richter am Landgericht“, „Vorsitzende Richterin am Landgericht“, im Ruhestand mit „a. D.“. In der Probezeit lautet die Bezeichnung schlicht „Richterin“ oder „Richter“, ergänzt um „auf Probe“ im Lebenslauf. Wenn Sie eine Richterin oder einen Richter als Referenz nennen möchten, fragen Sie vorher und führen Sie Amtsbezeichnung, Gericht und Kontakt auf einem gesonderten Blatt auf.

Wie lang sollte ein Lebenslauf für die Justiz sein?

Zwei Seiten für die meisten Bewerbungen, bei langem Werdegang mit Abordnungen höchstens drei. Veröffentlichungen und Vorträge gehören bei vielen Titeln in eine Anlage. Vorrang haben immer die Vorgaben der Ausschreibung.

Kann ich mich als Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt in den Richterdienst bewerben?

Ja, und viele Länder suchen gezielt Volljuristinnen und Volljuristen mit Berufserfahrung. Auch dann zählen die Examensnoten, aber Ihre Praxis kann die Probezeit verkürzen und im Auswahlgespräch den Ausschlag geben. Zeigen Sie alles, was richterlicher Arbeit nahekommt: Verhandlungen, Beweisaufnahmen, Schiedsverfahren, Mediation, Leitung von Arbeitsgemeinschaften und Prüfertätigkeit.

Sollte ich Erledigungszahlen im Lebenslauf angeben?

Ja, wenn Sie die Zahl belegen können. Dezernatsgröße, Erledigungen im Jahr und der Abbau alter Verfahren zeigen, dass Sie ein Dezernat im Griff haben, und wer sie weglässt, erweckt den Eindruck, keine zu haben. Zählen Sie sorgfältig, trennen Sie Urteile, Vergleiche und sonstige Erledigungen und rechnen Sie damit, im Gespräch nach Beispielen gefragt zu werden.

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